Der Spiegel

 

 

 

I


Von Waldsplittern umsäumt,
wie ein Fleck von Leere
unter den Dingen,
steht vor dir der Entfremdung stillstes Wasser,
seichtester Teich;
ein allgegenwärtiger, doch neutraler,
auf sich selbst ruhender Blick,
gibt sich als Himmel vor
und wird hinter dir zu einer bedrückenden,
jedes Bildnis losgewordenen
Verlassenheit.

Dann faßt jemand allmählich Fuß
auf blauem Boden




II


Im Zwischenraum der Vorder- und Rückseite,
auf der Schneide der Unumkehrbarkeit,
gestaltet sich schwankend das Geahnte
und sieht dem Fremden ins Herz.


„Gewiß hab ich hier hinter dem hergesehen,
der mich angesehen hat“


Ein altes, nur unter diesem Wasser
zusammengehaltenes Kleinod
ist ihm sichtbar geworden,
wenn die Schnur,
auf die innigste Perlen gezogen,
plötzlich zerreißt.
Da macht sich in Vergehendem
strömende Ähnlichkeit
über ihn her:


,Was du darin erkannt,
das entbehrt deiner‘


Der Strom staut sich
in kaltem Licht.




III


Ein gleichgültiger Hirt löst unentwegt seine Herde auf
und treibt sie in die Tiefe
ihrer eigenen Undurchsichtigkeit.

Das zieht alles vor ihm hin und segelt
an dem Reich,
dessen Küste immer im Werden ist.

In öder Welle erstarrt
was sich von dir getrennt
und das Selbstlose des Spiegelns
silbern verschweigt.

Alle Ferne ist nur der Seele
verblühtes
Scheinvorhandensein.

Doch dieses zu allem Hingegeben-,
dieses von allem Durchdrungensein:

sind es schon nicht, des dünnen Transits
sauerste Erstlinge?


Der Augenblick,
wo Landschaft dein eigen und Figur
nicht mehr dein eigen ist,
wo jedes Ding seine Konturen endlich los wird,
wenn es, weder drinnen noch draußen,
sonder über sich selbst hinaus wächst

und gedeiht,


eine raumlose,
von Einzelnem goldbestickte Spur
in der Bezogenheit…


Die Flamme neigt sich zum Leibe,

zur Asche der Wasserfläche hin