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Kurt Tucholsky

* Berlin 9. 1. 1890, † Hindås bei Göteborg 21. 12. 1935.
(Kurztexte / Textos breves)

Kurt Tucholsky

Kurt Tucholsky

 

DIE LEIBESFRUCHT SPRICHT

 

 

Für mich sorgen sie alle: Kirche, Staat, Ärzte und Richter.

Ich soll wachsen und gedeihen; ich soll neun Monate schlummern; ich soll es mir gut sein lassen – sie wünschen mir alles Gute. Sie behüten mich. Sie wachen über mich. Gnade Gott, wenn meine Eltern mir etwas antun; dann sind sie alle da. Wer mich anrührt, wird bestraft; meine Mutter fliegt ins Gefängnis, mein Vater hintennach; der Arzt, der es getan hat, muß aufhören, Arzt zu sein; die Hebamme, die geholfen hat, wird eingesperrt – ich bin eine kostbare Sache.

Für mich sorgen sie alle: Kirche, Staat, Ärzte und Richter.

Neun Monate lang.

Wenn aber diese neun Monate vorbei sind, dann muß ich sehn, wie ich weiterkomme.

Die Tuberkulose? Kein Arzt hilft mir. Nichts zu essen? keine Milch? – kein Staat hilft mir. Qual und Seelennot? Die Kirche tröstet mich, aber davon werde ich nicht satt. Und ich habe nichts zu brechen und zu beißen, und stehle ich: gleich ist ein Richter da und setzt mich fest.

Fünfzig Lebensjahre wird sich niemand um mich kümmern, niemand. Da muß ich mir selbst helfen.

Neun Monate lang bringen sie sich um, wenn mich einer umbringen will.

Sagt selbst:

Ist das nicht eine merkwürdige Fürsorge –?

 

HABLA EL FRUTO DEL VIENTRE

 

 

De mí cuidan todos: Iglesia, Estado, médicos y jueces.

He de crecer y medrar; he de dormitar nueve meses; he de pasarla bien – ellos me prodigan los mejores deseos. Me protegen. Velan por mí. Dios se apiade, si mis padres me hacen algún daño; entonces todos están presentes. Quien me toca, es castigado; mi madre vuela a la prisión, mi padre detrás de ella; el médico que lo hizo, debe cesar de ser médico; la partera que ayudó, es encarcelada: soy en verdad un objeto precioso.

De mí cuidan todos: Iglesia, Estado, médicos y jueces.

Durante nueve meses.

Pero cuando estos nueve meses pasaron, tengo que ver cómo seguir adelante.

¿La tuberculosis? Ningún médico me ayuda. ¿Nada para comer? ¿No tengo leche?: ningún Estado me ayuda. ¿Tormento y angustia en mi alma? La Iglesia me consuela, pero con el consuelo no puedo saciarme. Y si no tengo en qué hincar el diente, y robo: de inmediato aparece un juez y me detiene.

Durante cincuenta años de mi vida, nadie se preocupará por mí, nadie. Tengo que arreglármelas por mí mismo.

Durante nueve meses se matan entre ellos, si alguno quiere matarme.

Decidme:

¿No es ésta, en verdad, una curiosa tutela…?

(1927)

 

(1927)

 

COLLOQUIUM IN UTERO


Ein trüber Herbsttag im Mutterleib. Zwei Stück Zwillinge, Erna und Max, legen sich bequem und sprechen leise miteinander.

 

»Mahlzeit!«

»Mahlzeit! Na, gut geschlafen…?«

»Soweit man bei diesem Rummel schlafen kann – es sind bewegte Zeiten. Ich träume dann immer so schlecht.«

»Was hast du bloß?«

»Du bist gut! Was ich habe! Hier, hast du das gelesen, im Reichsverbandsblatt Deutscher Leibesfrüchtchen?«

»Nein. Was steht da?«

»Da steht: Warnung vor dem juristischen Studium. Fünfzigtausend Primaner legen die Reifeprüfung ab. Hundertunddreißigtausend stellenlose Akademiker, es kann auch eine Null mehr sein, ich kann das bei der Beleuchtung nicht so genau unterscheiden. Warnung vor dem Veterinär-Studium. Warnung vor Beschreitung der Oberförster-Laufbahn. Warnung… und so geht das weiter.«

»Na und?«

»Na und… du dummes Keimbläschen! Willst du mir vielleicht sagen, was man denn eigentlich noch draußen soll? Nun fehlt nur noch die Warnung vor einem Beruf!«

»Vor welchem?«

»Vor dem eines Deutschen. Aber, wenn das so weiter geht: ich bleibe hier.«

»Ich gehe raus.«

»Warum?«

»Weil es unsre Pflicht ist. Weil wir heraus müssen. Weil im Kirchenblatt für den Sprengel Rottenburg und Umgegend steht: Das Leben im Mutterleib ist heilig. Lieber zehn Kinder auf dem Kissen als eines auf dem Gewissen, steht da. Und die Präservativ-Automaten sind auch aufgehoben. Wir stehen, mein Lieber, unter dem Schutz der Staatsanwaltschaft und der Kirche!«

»Draußen?«

»Nö, draußen nicht. Bloß drin.«»Na, da bleib doch hier!«

»Wir haben nur für neun Monate gemietet, das weißt du doch!«

»Es ist, um sich an dem eignen Nabelstrang aufzuhängen! Ich für mein Teil bleibe drin!«

»Du bleibst nicht drin. Sei froh, daß wir nicht dreie sind, oder vier, oder fünf, oder sechs…«

»Halt! Halt! Wir sind doch nicht bei Karnickels!«

»Es ist alles schon mal dagewesen, Deutschland kann keine Kinder ernähren, nur Kartelle. Deutschland braucht Arbeitslose!«

»Ich bleibe drin.«

»Ich geh raus!«

»Du gehst nicht raus! Streikbrecher!«

»Pergamentfrucht!«

»Dottersack!«

(Gestrampel)

Die Mutter: »Was er nur hat –?«

 

COLLOQUIUM IN UTERO


Un triste día de otoño en el seno materno. Dos mellizos, Erna y Max, se tiende, poniéndose cómodos, y dialogan en voz baja.

«¡Buen provecho

«¡Buen provecho! Bueno, ¿dormiste bien…?»

«Hasta donde se puede dormir bien con este barullo… son tiempos agitados. Después tengo siempre sueños pesados.»

«¿Pero qué te pasa?»

«¡Tú sí que eres bueno! ¡Qué me pasa! Mira, ¿has leído esto, en el periódico de la Federación Imperial de Fetos Alemanes?»

«No. ¿Qué dice?»

«Ahí dice: Advertencia sobre la carrera jurídica. Cincuenta mil alumnos del último año rinden el examen final del bachillerato. Ciento treinta mil académicos sin empleo, puede incluso haber un cero más: con esta iluminación no puedo distinguir el número con exactitud. Advertencia sobre la carrera veterinaria. Advertencia sobre el ingreso a la carrera de Inspección General de Montes y Plantíos. Advertencia… y así sigue.»

«Bueno, ¿y qué?»

«Y qué… ¡estúpida blástula! ¿Quieres decirme, por ventura, qué le queda aún a uno por hacer allá fuera? ¡Tan sólo falta ahora la advertencia acerca de una profesión!»

«¿Acerca de cuál?»

«Acerca de la de ser alemán. Pero, si esto sigue así: yo me quedo aquí.»

«Yo salgo.»

«¿Por qué?»

«Porque es nuestro deber. Porque tenemos que salir. Porque en el periódico de la Diócesis de Rottenburg y alrededores dice: la vida en el seno materno es sagrada. Mejor diez niños en la querencia que uno sobre la conciencia, dice allí. Incluso las máquinas expendedoras de preservativos han sido suprimidas. Estamos, querido mío, bajo la protección de la Fiscalía y de la Iglesia.»

«¿Afuera?»

«Nooo, afuera no. Únicamente adentro.»

«Bueno, ¡entonces quédate aquí!»

«Alquilamos sólo por nueve meses, ¡ya lo sabes!»

«¡Es para colgarse del propio cordón umbilical! ¡Yo, por mi parte, me quedo aquí!»

«Tú no te quedas aquí. Alégrate de que no seamos tres, o cuatro, o cinco, o seis…»

«¡Alto, alto! ¡No estamos en casa de la familia Conejo!»

«No hay nada nuevo bajo el sol. Alemania no puede alimentar niños, sólo cárteles. ¡Alemania necesita desocupados!»

«Yo me quedo adentro.»

«Yo salgo.»

«¡Tú no sales! ¡Rompehuelgas!»

«¡Fruto apergaminado!»

«¡Membrana vitelina!»

(Pataleo)

La madre: «¿Pero qué tendrá…?»

(1932)

(1932)

 

EIN GENIESSER

 

Der dicke Mann spricht:

»Wir marschierten damals von Suwalki in den Tannenwald, den Kriegsschauplatz aufzuräumen. Ich war kein Held – ich bin zu dick. Und der Marsch war so beschwerlich –, den ganzen Weg über sprachen wir über Literatur und kühles Pilsner. Und da habe ich mir geschworen: Theobald, habe ich zu mir gesagt, wenn du hier noch mal gesund wieder rauskommst: du wirst dich in Watte legen. Du wirst überhaupt nie mehr marschieren. Du wirst dich pflegen wie eine Wöchnerin. Ehrenwort. (Wir Soldaten geben uns immer das Ehrenwort.) Gut; der Marsch nahm ein Ende, Suwalki blieb da liegen, wo es immer gelegen hat, der Krieg war aus.

Nun, ich habe mich nicht in Watte gelegt. Und ich marschiere auch noch ganz gut. Aber eine Gewohnheit ist mir geblieben, und Sie glauben nicht, wieviel Freude sie einem macht:

Sehen Sie, da ist dieses blitzend-kalte Glas Wasser. Wenn ich das… Sie erlauben… trinke, dann sehe ich in die kleine Wasserfläche, die da schräg im Glase steht, und denke mir mein Teil.

Ich denke mir nämlich:

Jetzt auf einer heißen Chaussee, mit der Kompanie, und ein Staub und eine Hitze, und diese schwere Wolke von Mannsgeruch über den Reihen, das Hemd klebt am Körper, an den Oberschenkeln heult ein Wolf, den ich mir gelaufen habe, und der Tornister drückt… und was soll das alles… mein Gott… jetzt ein Glas kaltes Wasser… und es ist alles nicht wahr! – Da ist das Glas kalten Wassers, und ich trinke es nun nicht einfach so herunter, nein, ich schmecke seine Kühle, ich lasse es gluckernd durch die Kehle rinnen, ich trinke mit den Kiemen wie ein Fisch, ich koste alle Leiden, die ich nicht zu erleiden brauche –, Sie! das ist ein großer Genuß.

Und so mache ich es in vielen Lagen des Lebens.

Bei mir geht es, wie Sie sehen, recht bescheiden zu. Aber denken Sie doch, was hier alles nicht ist:

Ich gehe umher, und kein Chef sagt zu mir: ›Wenn man natürlich morgens nicht pünktlich da ist, dann hat man abends lange zu tun.‹

Kein Arzt sagt: ›Na, da kommen Sie mal rein –, da will ich mich mal ein bißchen an Ihnen vergreifen! Schwester! Das Kokain – Kopf mehr zurück… noch mehr…‹

Keine Frau sagt zu mir: ›So! Ach sieh mal an! Und der Brief von Hedy? Das war wohl auch nichts? Nein, das war gar nichts! Und wie Fanny gestern… meinst du, ich habe nicht gesehen, wie du Fanny deine Glupschaugen gemacht hast, und noch dazu in meiner Gegenwart, ihr könnt ja nicht mal warten, bis ich aus dem Zimmer bin –, du bist ein alter Bock! Dir ist das ganz gleich, wer das ist – wenn sie nur…‹

Kein Konsulatsbeamter sagt: ›Kommen Sie wegen des Visums morgens nochmal. Wir brauchen dazu ein Impfzeugnis Ihrer Großmutter und eine schriftliche Bescheinigung, daß Sie in unserem Lande keine Papageienzüchterei aufmachen wollen. Und… haben Sie selbst ansteckende Krankheiten?… oder sind Sie Bolschewist…?‹

Kein stellvertretender Parteivorsitzender gibt mir seine ›Einstellung‹ kund.

Keine launenhafte kleine Frau teilt mir mit, daß sie heute nicht wolle und überhaupt nie mehr.

Denken Sie doch, was hier alles nicht ist! Sie! Das ist ein großer Genuß.

Stoiker? Ach, gehen Sie. Marc Aurel? Sehe ich aus wie ein römischer Kaiser? Nein, dergleichen ist es gar nicht. Ich habe nur im Kriege gelernt:

Wenn man sich allemal vergegenwärtigt, wieviel Malheur es auf der Welt gibt, und daß man zufällig im Augenblick nicht daran beteiligt ist, dann schmeckt der Augenblick noch einmal so gut. Ich lebe nicht auf den Höhen des Daseins. Aber man möchte doch gern auf den Höhen des Daseins leben. Und da grabe ich mir eben so meine kleine Grube und blicke hinunter in die gähnende Tiefe… Glück privat.«

 

UN SIBARITA

 

El hombre gordo dice:

«Marchábamos entonces desde Suwalki hacia el bosque de abetos, para limpiar el teatro de operaciones. Yo no era ningún héroe… soy demasiado gordo. Y la marcha era tan fatigosa… todo el camino hablamos de literatura y cerveza Pilsen fresca. Y entonces me juré: Theobald, me dije, si sales de aquí sano y salvo: te pondrás entre algodones. Jamás volverás a marchar. Te cuidarás como una parturienta. Palabra de honor. (Nosotros, los soldados, nos damos siempre la palabra de honor.) Bueno; la marcha llegó a su fin, Suwalki quedó allá donde siempre ha estado, la guerra terminó.

Pues bien, yo no me he puesto entre algodones. Y hasta marcho aún sin ninguna dificultad. Pero una costumbre me ha quedado, y Ud. no va a creer cuánto placer encuentra uno en ella:

Mire Ud., he aquí este refulgente vaso de agua fría. Si yo… con su permiso… lo bebo, miro entonces la pequeña superficie de agua que en él se inclina, y pienso mi parte.

Pienso en realidad:

Ahora sobre un camino ardiente, con la compañía, y una polvareda, y un calor, y esta pesada nube oliendo a hombre sobre las filas, la camisa se pega al cuerpo, en los muslos se enconan las llagas que me pesqué, y la mochila pesa… y para qué todo esto… Dios mío… ahora un vaso de agua fría… y ¡nada es verdad! – Aquí está el vaso de agua fría, y no voy a bebérmelo así simplemente hasta el fondo, no, saboreo su frescura, lo dejo correr gorgoteando por la garganta, bebo con las agallas como un pez, paladeo todos los sufrimientos que no tengo que sufrir… Mire Ud., esto es un gran placer.

Y así hago en muchas circunstancias de la vida.

En mi ámbito, como puede apreciarlo, reina en verdad la modestia. Pero piense, en todo lo que no está aquí:

Ando de un lado a otro, y ningún jefe me dice: ‹Por supuesto, si no se llega puntualmente a la mañana, hay a la tarde mucho que hacer.›

Ningún médico me dice: ‹A ver, ¡pase – lo voy a manosear un poquito! ¡Enfermera! La cocaína… más atrás la cabeza… más…›

Ninguna mujer me dice: ‹¡Ahá! ¡Ah, pero mira un poco! ¿Y la carta de Hedy? ¿Eso tampoco fue nada, no es cierto? ¡No, eso no fue nada! Y como Fanny ayer… crees que no vi los ojos saltones con que miraste a Fanny, y encima en mi presencia, no podéis esperar siquiera a que yo salga de la habitación… ¡eres un viejo cabrón! Te da lo mismo quién sea… con tal de que ella…›

Ningún empleado consular dice: ‹Venga por la visa mañana otra vez. Para ella necesitamos un certificado de vacunación de su abuela y una constancia escrita de que Ud. no va a abrir en nuestro país un criadero de papagayos. Y… ¿padece de enfermedades contagiosas?… ¿o es Ud. bolchevique…?›

Ningún vicepresidente partidario me hace público testimonio de su ‹posición›.

Ninguna caprichosa señorita me comunica que hoy no quiere, y que no querrá nunca más.»

¡Piense, en todo lo que no está aquí! Mire Ud., esto es un gran placer.

¿Estoico? Ah, por favor. ¿Marco Aurelio? ¿Parezco acaso un emperador romano? No, nada de eso. Tan sólo, he aprendido en la guerra:

Si se tiene siempre presente cuánta desdicha hay en el mundo, y que uno por casualidad no participa de ella, el sabor del instante es dos veces mejor. Yo no vivo en las cimas de la existencia. Sin embargo, en las cimas de la existencia viviría uno de buen grado. Cavo entonces mi pequeña cueva y miro hacia abajo, hacia la insondable hondura… Dicha privada.

(1930)

 

(1930)

 

[Trad.: Héctor A. Piccoli]

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